Sieben!

MIT BRUCKNER DURCHS JAHR

Sieben scheint eine besondere Zahl zu sein. Sieben Tage hat die Woche, der Wolf sieben Geißlein und Schneewittchen sieben Zwerge. Sieben Weltwunder kennt die Antike. Sieben ist die „Millersche Zahl“, die besagt, dass ein Mensch gleichzeitig nur bis zu sieben Informationseinheiten in seinem Kurzzeitgedächtnis auffassen kann. In der biblischen „Offenbarung“ hält der Erschaffer, der Schöpfer sieben Sterne in der rechten Hand. Auch für Bruckner verhieß die Sieben einen ersten bahnbrechenden Erfolg im Alter von sechzig Jahren.

Die Uraufführung der Siebenten fand erfolgsgemäß nicht in Wien, sondern in Leipzig statt. Ausgerechnet zwei dezidierte Wagner-Dirigenten verhalfen der Siebten zu ihrem Erfolg. Arthur Nikisch leitete im Dezember 1884 die Uraufführung in Leipzig und Hermann Levi setzte diese wenige Monate später in München durch und nannte sie „das bedeutendste Werk seit Beethovens Tod“. Am Tag nach der Münchner Aufführung besuchte Bruckner eine Aufführung der „Walküre“ an der Münchner Hofoper, und Levi grüßte ihn danach mit der sogenannten „Trauermusik“ aus dem Adagio seiner Sinfonie. Dass Levi gerade diese beiden Werke in ein Verhältnis setzte, war kein Zufall: Die „Todverkündigungsszene“ aus der „Walküre“ ist unverkennbares Vorbild für diese „Trauermusik“ Bruckners, die als spontane Reaktion auf die Nachricht vom Tod Wagners entstand. Bruckner hatte gerade den Höhepunkt des Adagios komponiert, als er vom Ableben des Hochverehrten erfuhr. Den folgenden, ruhevollen Abgesang der Wagnertuben und Hörner schrieb er „zum Andenken meines unerreichbaren Ideales in jener so bitteren Trauerzeit“.

Zahlreiche weitere Aufführungen folgten umgehend in Köln, Hamburg oder Graz. Bruckner hatte gegen eine Wiener Aufführung „wegen Hanslick et Consorten“ heftig interveniert. Denn er glaubte, dass sie seinen „noch jungen Erfolgen in Deutschland nur hemmend in den Weg treten“ müssten, „aus Gründen, die einzig der traurigen localen Situation entspringen in Bezug der maßgebenden Kritik“. Er hatte einfach Angst, dass ihm der Erfolg in Wien vereitelt würde und hatte recht: Die Wiener Erstaufführung im März 1886 wurde wieder verrissen, was aber den Erfolg nicht mehr aufhalten konnte.

Die „Siebte“ war Bruckners Durchbruchsstück, auch bei seiner Einsegnung in der Wiener Karlskirche, die vor der Überführung nach St. Florian stattfand, spielten die Blechbläser der Wiener Philharmoniker das Adagio in einer Blechbläserfassung von Ferdinand Löwe. Wie von Hitler angeordnet, wurde 1945 auch die Kundmachung seines „Heldentods“ im Reichsfunk mit dem Adagio der 7. Sinfonie begleitet. Bei aller politischen Instrumentalisierung, die ein ganz eigenes Thema ist, wird Bruckners Musik zum Abgesang für eine der dunkelsten Zeiten in unserem Land!

>> Am 16. Juni (17.00 Uhr) erklingt die „Siebte“ mit dem Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner in der Stiftsbasilika St. Florian.

>> Anton Bruckner 2024

Norbert Trawöger // Künstlerischer Leiter Anton Bruckner 2024

anton bruckner 2024 // KulturExpo // Oberösterreich


Erschienen in: Kulturbericht Oberösterreich / Monatsschrift der OÖ Kultur / Mai 2024
Foto: ÖAW