LIVA stellt neues Führungsduo vor
Die LIVA (Brucknerhaus, Posthof, Kuddelmuddel und LIVA Sport) hat die Vertragsverhandlungen mit den beiden designierten Geschäftsführern Norbert Trawöger und Kai Liczewski erfolgreich abgeschlossen. Heute haben Bürgermeister Dietmar Prammer und Aufsichtsratsvorsitzender Meinhard Lukas das neue Führungsduo vorgestellt. Dabei haben Trawöger und Liczewski erste Vorstellungen präsentiert – einbegleitet vom bekannten St. Florianer E-Gitarristen und Komponisten Severin Trogbacher mit einer Brucknerintervention.
Vor vierzehn Tagen hat Bürgermeister Dietmar Prammer seine Entscheidung bekanntgegeben, Norbert Trawöger zum Künstlerischen Direktor und Kai Liczewski zum Geschäftsführenden Direktor der LIVA zu bestellen.

Prammer ist damit der einstimmigen Empfehlung der Auswahlkommission unter dem Vorsitz von Aufsichtsratsvorsitzendem Meinhard Lukas gefolgt. Ihr haben unter anderem Franz Welser-Möst (Chefdirigent Cleveland Orchestra), Helga Rabl-Stadler (vorm. Präsidentin der Salzburger Festspiele), Dodo Roščić (ORF-Senderchefin FM4) und Christian Kircher (Geschäftsführer der Bundestheater Holding) angehört.
Vertragsverhandlungen abgeschlossen
Inzwischen sind die Vertragsverhandlungen erfolgreich abgeschlossen. Jetzt sind sie noch von den Organen zu formalisieren. Die vereinbarten Entgelte liegen in der üblichen Bandreite von Geschäftsführer:innen der Unternehmensgruppe Linz. Zulässige Nebenbeschäftigungen beschränken sich auf Lehr- und Publikationstätigkeiten der Geschäftsführer in der Freizeit. Jede andere Nebenbeschäftigung ist unzulässig, soweit sie nicht vorweg von Eigentümerseite genehmigt wurde.
„Auch sonst berücksichtigen die Verträge Erkenntnisse aus der Aufklärungstätigkeit des Aufsichtsratsvorsitzenden Meinhard Lukas. Seine Empfehlungen sind in die Verhandlungen eingeflossen. Es ist mir wichtig, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für die überaus konstruktiven Gespräche. Kai Liczewski und Norbert Trawöger haben gezeigt, dass sie sehr gut verstehen, worauf es in Zukunft ankommt, nämlich auf eine nachhaltige neue Führungs- und Organisationskultur in der LIVA – für ein bestmögliches kulturelles und sportliches Angebot in Linz“, so Bürgermeister Prammer.
„Es geht gerade bei Geschäftsführerverträgen nicht nur um das geschriebene Wort. Es geht auch um den Dialog im Vorfeld. Bei wesentlichen Gesprächen war ich eingebunden. Dabei wurden Erwartungen in aller Offenheit ausgetauscht. Der Zugang beider neuer Geschäftsführer hat mich beeindruckt. Vor allem weil ihnen auch sehr bewusst ist, wie groß die Herausforderung ihrer Aufgabe ist, wie enorm aber auch Chancen und Potential der LIVA sind“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Lukas.
Vorstellung des Führungsduos
Das neue Führungsduo wird Mitte August die Geschäftsführungsfunktion antreten. Die interimistische Geschäftsführerin Johanna Möslinger wird noch bis Mitte September im Amt und so auch das Gesicht von Klangwolke und Brucknerfest 2025 sein. Heute haben sich Trawöger und Liczewski in einem Pressegespräch der Öffentlichkeit präsentiert. Den Auftakt bildete auf Vorschlag Trawögers eine Brucknerintervention des in St. Florian geborenen Komponisten und E-Gitarristen Severin Trogbacher. Er ist gefragter Live- und Studiomusiker (auf Tour zB mit Konstantin Wecker, Hubert von Goisern). Als Komponist hat er sich etwa auch bei den St. Florianer Brucknertagen („Bruckner DisCovery“) einen Namen gemacht.
Dass Trawöger und Liczewski die LIVA als Team führen wollen, haben sie bereits bei ihrer Präsentation spürbar gemacht. Obwohl sie sich erst 14 Tage kennen, haben sie sich wechselseitig vorgestellt. Ihnen ist aber der Teamgedanke darüber hinaus wichtig: „Wir wollen gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen in der LIVA Brücken bauen – Für Linz. Wir freuen uns jetzt sehr darauf, die Menschen und die Häuser der LIVA intensiv kennenzulernen.“
Norbert Trawöger: „Das Ortsübliche ist nie das Mögliche“
Trogbacher hat auf seine Art erlebbar gemacht, worum es Trawöger geht: „Das Brucknerhaus ist die konzertante Herzkammer von Linz, ein Kulminationsort von Welt(klasse) inmitten eines Kulturlandes. Das Ortsübliche ist nie das Mögliche.“ Zugleich betont der neue Künstlerische Direktor den Gedanken der Vernetzung: „Das Brucknerhaus hat mit dem hochwirksamen Posthof und dem Kinderkulturzentrum Kuddelmuddel wie der TipsArena und zahlreichen Sportstätten attraktive Trabanten und Räume, die dieses Planetensystem ‚aus eigener Kraft‘ zu einem einzigartigen machen können.“
Eine zentrale Rolle muss für Trawöger auch das BOL spielen: „Die Herzkammer braucht ein (Residenz-)Herz. Das Bruckner Orchester braucht das Brucknerhaus und umgekehrt. Hier ist eine neue Nähe der Zusammenarbeit auszuhandeln, um auf allen Ebenen gemeinsame Sache zu machen. Ein Standort wie Linz verliert in der Divergenz (der Reihen) Zugkraft.“ Das gelte vor allem auch in der Zusammenarbeit mit dem Landestheater, wo inhaltlich und terminlich eine engere Abstimmung entwickelt werden sollte. „Nur gemeinsam kann Linz und Oberösterreich, Stadt und Land, eine internationale Zugkraft entfachen.“

Und Trawöger ergänzt: „Es liegt nahe, dass ein Sparten- und Haus-übergreifender Dialog mit den Kunstmuseen – das Lentos liegt am Weg! -, den Musikschulen, Universitäten und anderen Kultureinrichtungen intensiviert werden, da hier an allen Ecken und Enden Möglichkeiten sind, inhaltliche Ereignisse gemeinsam zu erfinden und zu veranstalten. Die elementare Zusammenarbeit mit der Ars Electronica muss wieder intensiviert werden. Die Ars Electronica hat mit seinem Festival internationale Ausstrahlung und Identifikationskraft. Abgesehen von den inhaltlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die echte Zukunftsformate generieren können.“
Auch zum Internationalen Brucknerfest nennt Trawöger erste Vorstellungen: „Ein Fest verheißt im besten Sinne, einen Ausnahmezustand herzustellen. Das verlangt sicher nach den bestmöglichen Orchestern, Dirigent:innen oder Solist:innen der Welt, aber das allein reicht nicht. Ich habe ein klares Bild, dass das Brucknerfest die ganze Stadt erfasst und das Brucknerhaus das Epizentrum ist, von dem das Vibrieren ausgeht. Ereignisse des Landestheaters, der Ars Electronica, der Museen, kulinarische oder kulturelle Angebote aus der Freien Szene könnten Teil dieser Festivalbewegung, die auf alle Fälle kürzer sein muss als die bisherige. Fünf Wochen kann niemand feiern. Der öffentliche Raum und musikfremde Territorien werden nicht nur zu den üblichen Beginnzeiten genutzt.“
Kai Liczewski: „Die LIVA ist in ihrer Vielfalt einzigartig“
Liczewski ist von der Bandbreite der Linzer Veranstaltungsgesellschaft beeindruckt: „Die LIVA ist in ihrer Vielfalt einzigartig, mit dadurch einzigartigen Potentialen in der weiteren Entwicklung. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestalten hervorragende Angebote in Kultur und Sport und bereichern dadurch jeden Tag das Leben der Linzerinnen und Linzer. Das ist der öffentliche Auftrag und das sehe ich zugleich auch als meinen zentralen Auftrag.“
Von seinem Aufgabenreich hat Liczewski eine klare Vorstellung: „Als Geschäftsführender Direktor liegt mein Fokus auf der Entwicklung der gesamten LIVA. Es ist mir wichtig, in allen Häusern und Sportstätten präsent zu sein und mich überall einzubringen. Ich freue mich sehr darauf – Brucknerhaus, das Programm des Posthofs in all seiner Vielfalt, die Kinder-, Sport- und Fußball-Kultur gehören für mich alle gleichberechtigt dazu.“

Liczewski hat sich vor seiner Bewerbung naturgemäß auch mit der jüngeren Geschichte der LIVA auseinandergesetzt: „Es wurde die letzte Zeit viel über den vielschichtigen Handlungsbedarf berichtet – ich habe Vieles gelesen und gehört und möchte mir nun unbedingt zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein eigenes Bild machen. Angesichts der Fülle der Herausforderungen kommt es auf eine sinnvolle Priorisierung an. Sie muss den Plan für die nötigen Entwicklungen prägen, der von uns allen konsequent verfolgt werden muss.“
Der neue Executive Director freut sich nicht nur auf die neue Aufgabe, er freut sich auch auf die Stadt: „Zuletzt war ich mit der ganzen Familie beim letztjährigen Ars Electronica Festival. Linz hat bei mir einen denkbar sympathischen Eindruck hinterlassen. Ich freue mich auf die Zeit in dieser spannenden Stadt.“

Lebensläufe
Norbert Trawöger ist Künstlerischer Direktor des Bruckner Orchester Linz und künstlerischer Leiter der ersten oberösterreichischen KulturEXPO „Anton Bruckner 2024“. Er verantwortete die programmatische Ausrichtung und Umsetzung dieses einmaligen, ganzjährigen Formats, das ganz Oberösterreich in einer unvergleichlichen kulturellen und künstlerischen Fülle und Vielfalt bewegt. Von 2013 bis 2023 war er Intendant des Kepler Salon. Trawöger stammt aus einer Familie, bei der schon Franz Schubert „höchst ungeniert, wie zu Hause“ (Zitat aus Brief Schuberts an seine Eltern) 1825 in Gmunden zu Gast war, studierte Flöte an den Musikhochschulen Wien, Göteborg und Graz und absolvierte den renommierten Studiengang „Executive Master in Arts Administration“ an der Universität Zürich. 2010 publizierte er eine Biografie über den Komponisten Balduin Sulzer, 2022 seinen Essay „Spiel“ in der Reihe „übermorgen“ des Wiener Verlags Kremayr & Scheriau. Im Frühjahr 2024 erschien sein Journal einer Leidenschaft „Bruckner!“ im Residenz Verlag. Der „kulturelle Wirbelwind“ (OÖN) und „gefragte Anstifter zu kreativem Denken und Handeln“ (A-list) lebt „genial-schräg“ (OÖN) in sich ständig verändernden künstlerischen Aggregatzuständen, meldet sich dabei immer wieder unruhig zu Gesellschaft, Kunst und Kultur zu Wort, spielt Flöte und mit seinen Kindern.
Kai Liczewski ist in München geboren und in Unterfranken aufgewachsen. Die leidenschaftliche Beschäftigung mit Musik jeglicher Art, (E-)Bass spielend, Badminton-Schläger schwingend und immer auch am Computer wurde nur vom regelmäßigen Besuch im Programm-Kino „Casablanca“ unterbrochen. Auf diesem Fundament eines ausgenommen breitgefassten Kultur-Begriffs wurde bereits vor seinem Studium der Betriebswirtschaft und des Kultur-, Freizeit- und Sportmanagements das Organisieren von Veranstaltungen verschiedenster Art zu seiner Berufung. Prägend war auch sein freiwilliges soziales Jahr bei den Münchner Symphonikern. Nachdem er seine Abschlussarbeit bei der Bayerischen Staatsoper fertiggestellt hatte, folgte er 2011 nach kurzem Zwischenstopp am Theater Plauen-Zwickau dem Ruf nach Salzburg. Beim Salzburger Festspielfonds gestaltete er federführend die grundlegende Neuaufstellung von Rechnungswesen und Controlling. Ab 2016 leitete er den Bereich Finanzen und Informationsmanagement. In dieser Verantwortung konnte er seine Kernkompetenzen um Bereiche wie Technologie-, Projekt- und Veränderungsmanagement in Kulturbetrieben erweitern.
Medienstatement der LIVA – Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH
Fotos: Werner Kerschbaummayr / fotokerschi.at // Oliver Erenyi / Stadt Linz